Einstiegsguide
Neu beim Thema Direktvermarktung? Dieser Guide führt dich in wenigen Minuten durch die Grundlagen — von „brauche ich das überhaupt?" bis zu deinen ersten konkreten Schritten. Jeder Abschnitt verlinkt in die tieferen Inhalte, wenn du mehr wissen willst.
1. Was ist Direktvermarktung — und brauche ich sie überhaupt?
Direktvermarktung (DV) heißt: Dein Solarstrom wird nicht zu einem festen Cent-Satz vergütet, sondern an der Strombörse verkauft — meist über einen Dienstleister (Direktvermarkter), der das für dich erledigt. Du kannst dabei mehr verdienen als mit der festen Vergütung, trägst aber etwas mehr Preisrisiko und Aufwand.
Die entscheidende Frage ist deine Anlagengröße. Zwei Schwellen werden oft verwechselt — hier sauber getrennt:
| Anlagengröße (installierte Modulleistung) | Direktvermarktung | Technische Steuerbarkeit |
|---|---|---|
| bis 25 kWp | freiwillig | nicht zwingend (sonst 60-%-Einspeisekappung, § 9 EEG) |
| 25 – 100 kWp | freiwillig | Fernsteuerung oder 60-%-Kappung |
| über 100 kWp | Pflicht (geförderte DV) | Fernsteuerung verpflichtend |
Kurz: Erst ab über 100 kWp ist die geförderte Direktvermarktung Pflicht. Darunter ist sie freiwillig — und lohnt sich vor allem mit Speicher oder hohem Eigenverbrauch.
Mehr dazu: Direktvermarktung im Detail · FAQ: Pflicht & Schwellen
2. EEG-Einspeisevergütung vs. Direktvermarktung — was passt zu mir?
- Feste Einspeisevergütung (EEG): Du bekommst über 20 Jahre einen garantierten Cent-Betrag pro Kilowattstunde. Sicher, planbar, null Aufwand — dafür meist der niedrigere Erlös. Der Klassiker für kleine Hausanlagen.
- Direktvermarktung: Dein Strom wird an der Börse verkauft; du profitierst von guten Börsenpreisen, trägst aber das Preisrisiko und brauchst das passende Messkonzept. Sinnvoll bei größeren Anlagen, mit Speicher oder hohem Eigenverbrauch.
Du kannst die Vermarktungsform übrigens wechseln — jeweils zum Ersten eines Monats, mit kurzer Mitteilung an den Netzbetreiber (§ 21b EEG). Du musst dafür nichts „zurücknehmen".
Mehr dazu: Vergleich EEG vs. DV · Wann lohnt sich der Wechsel?
3. Wie die Vergütung in der DV funktioniert: Marktprämie, Marktwert & Spotmarkt
Drei Begriffe genügen für den Einstieg:
- Spotmarkt: die kurzfristige Strombörse (EPEX SPOT). Hier entsteht stündlich bzw. viertelstündlich ein Preis — mal hoch, mal niedrig, manchmal sogar negativ. Dein Strom wird zu diesem jeweiligen Preis verkauft.
- Marktwert Solar: der von der Bundesnetzagentur veröffentlichte Monatsdurchschnitt dessen, was Solarstrom an der Börse erzielt hat. Wichtig: Es zählt dieser Monatsdurchschnitt — nicht eine einzelne hohe Stunde.
- Marktprämie: die Förderung in der DV. Sie füllt die Lücke zwischen deinem Förder-Zielwert (dem „anzulegenden Wert") und dem Marktwert auf: Marktprämie = anzulegender Wert − Marktwert. Sie wird nie negativ — liegt der Marktwert höher, ist sie null, und du behältst den höheren Börsenerlös.
Das Zusammenspiel: Du bekommst den Börsenerlös (physischer Verkauf zum Spotpreis) plus die Marktprämie obendrauf. Weil die Prämie auf den Monatsdurchschnitt berechnet wird, kannst du mit geschicktem Einspeise-Timing (Stichwort Speicher, siehe nächster Abschnitt) die teuren Stunden mitnehmen, ohne dass die Prämie sinkt.
Mehr dazu: Glossar: Marktprämie, Marktwert, Spotmarkt · Marktwert-Tool · Spotpreise ansehen
4. Speicher & negative Preise (§ 51) — kurz erklärt
An sonnenreichen Tagen gibt es zeitweise so viel Strom, dass der Börsenpreis ins Minus rutscht (negative Preise). 2024 gab es rund 457 solcher Stunden, 2025 rund 575 — Tendenz steigend, meist mittags. In diesen Stunden fällt die EEG-Förderung auf null (§ 51 EEG) — ungebremst einzuspeisen lohnt dann nicht.
Der Speicher ist der Ausweg: Statt den Strom fördernlos ins Netz zu drücken, speicherst du ihn ein und speist später ein — in den teuren Abendstunden. So vermeidest du die Null-Stunden und nimmst hohe Preise mit. Seit dem Solarspitzengesetz wird der Förderausfall zudem teilweise ausgeglichen, indem sich der Vergütungszeitraum hinten verlängert (§ 51a).
Mehr dazu: §-51-Tool: Negativpreise & deine Anlage · Speicher-Tool · FAQ: Negativpreise & Speicher
5. Deine ersten Schritte — die Einsteiger-Checkliste
- Anlagengröße bestimmen (installierte Modulleistung in kWp) → daraus ergibt sich: Pflicht (>100 kWp) oder freiwillig, und ob Steuerbarkeit nötig ist (>25 kWp). → Erzeugungs-Tool
- Ziel klären: maximale Sicherheit (feste Einspeisevergütung) oder mehr Ertrag mit etwas Aufwand (Direktvermarktung)? → Vergleich
- Messkonzept prüfen: Direktvermarktung braucht viertelstündliche Messung (intelligentes Messsystem / RLM). Beim Messstellenbetreiber nachfragen. → Glossar: iMSys, RLM
- Speicher mitdenken: Gerade bei Negativpreisen entscheidet ein (gefüllter) Speicher oft über die Wirtschaftlichkeit. → Speicher-Tool
- Direktvermarkter vergleichen: Konditionen variieren stark; für kleine Anlagen ist das Angebot dünn. → Anbieter-Wissen
- Anmeldungen: Anlage im Marktstammdatenregister registrieren; Vermarktungsform dem Netzbetreiber mitteilen (Wechsel zum Monatsersten, § 21b). → Wissen: Gesetze & Pflichten
- Rechnen statt raten: Mit den Tools die Erlöse für deine konkrete Anlage überschlagen. → Alle Tools
6. Wo es weitergeht
- 📚 Wissen: Direktvermarktung — die Themen ausführlich
- ❓ FAQ — Antworten auf die häufigsten Fragen, mit Quellen
- 📖 Glossar — alle Begriffe einfach erklärt
- 🧮 Tools — Marktwert, § 51, Speicher, Erzeugung & Spotpreise für deine Anlage durchrechnen
- ⚖️ Wissen: Gesetze & Pflichten · 🔌 Schnittstellen